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Samstag, 17. Juli 2010

Jesus in Indien

Nun will ich von einer ziemlich schrägen Theorie berichten. Als Autoren zeichnen Holger Kersten, Andreas Faber-Kaiser, Kurt Berna, Notovitch und F.M. Hassnain. Ich beziehe mich auf letzteren. Jesus soll in Indien gewesen sein - und das gleich zweimal. Mit dem ersten Mal werden die "fehlenden Jahre" erklärt. In den vier bekannten Testamenten (und auch in den Apokryphen) finden wir keine Hinweise darauf, was Jesus in den Jahren vor seiner Taufe gemacht hat. Das mag erstaunen, wenn man die Evangelien als Biografien liest (sind sie aber nicht - auch das Aussehen von Jesus wird nicht beschrieben). Tatsächlich könnte Jesus in diesen Jahren mit persischem und buddhistischem Gedankengut in Berührung gekommen sein. Und warum nicht auf einer Reise dorthin? Oder ein paar Jahre dort gelebt und sogar gelehrt haben? Wenn das wirklich der Fall gewesen sein soll, dann finden wir allerdings überraschend wenig östliche Gedanken in seinen Predigten und Gleichnissen.
Origineller ist die Vorstellung einer zweiten Indienreise von Jesus. Nach dieser Theorie hätte Jesus die Kreuzigung überlebt (die Argumente hierfür sind durchaus plausibel) und wäre nachher in Richtung Osten in Sicherheit gebracht worden. In Srinagar wird seit Alters her das Grab eines Yuzu Asaph verehrt. Die Beweislage ist aber eher schmal. Der Name muss mit Jesus aus Nazareth gleichgesetzt werden (und dazu kommt noch, dass Jesus ein häufiger Name war), die Archäologie vor Ort ist mit vielen Veränderungen in den letzten 2000 Jahren konfrontiert. Was man dort alles gefunden haben will, von Kreuzen bis hin zu Fussabdrücken mit Wundmalen, kann auch aus späterer Zeit stammen. Das Grab zieht aber viele Touristen an, von denen sich ein paar offenbar nicht sehr pietätvoll aufführen. Deswegen ist der Zugang zum Grab diesen Frühling für Auswärtige verwehrt worden. Vielleicht komme ich ja trotzdem irgendwie hin.

neue Hindu-Tempel


Die alten Hindutempel gehören zum Stadt- resp. Dorfbild. Das fängt bei kapellenartigen Gebetsräumen an und reicht bis zu riesigen Anlagen mit Gärten, Schulen und Verwaltung. In jeder Stadt sind mir prunkvolle Neubauten aus den letzten 15 Jahren aufgefallen. Mit dem Bevölkerungswachstum allein ist das wohl zu erklären.
Ich habe mich eingelesen und herausgefunden, dass das Stiften eines Tempels für einen Hindu eine verdienstvolle Aufgabe ist. Der Ort, wo Gott angebetet wird (der Hinduismus versteht sich heute monotheistisch, die Gottheiten werden als verschiedene Ausdrucksformen gedeutet), soll so schön, sauber, ruhig und prunkvoll sein wie das eigene Haus. Da es sehr viele sehr reiche Inder gibt, wird also tüchtig gebaut. Der "donator" sucht sich zunächst einen spirituellen Berater, damit beim Bau nichts falsch läuft. Dann werden Bauleiter, Bauleute und Priester (pandits) angestellt. Von der Auswahl des Geländes über die Säuberung des Geländes, Grundsteinlegung, Bautätigkeit bis hin zur Einweihung haben alle Entscheidungen auch eine spirituelle Dimension. Dazu und für die Wahl der richtigen Zeitpunkte wird die Astrologie beigezogen. So ein Tempel beginnt übrigens ein paar Meter unter der Erde. Dort ruhen Gegenstände aus Edelmetall. Rund um das Tempelgeviert wird ein Kupferband eingegraben. Die Einweihung dauert mehrere Wochen, weil die "idols" (Gottesbilder) in Prozessionen herangeschafft, gewaschen und inthronisiert werden. Zum Tempel gehört Personal, das sind die pandits. Von der Einweihung an müssen täglich Zeremonien stattfinden, die Gottheiten werden verehrt, gewaschen, gefüttert, täglich neu eingekleidet.
Wer einen Tempel besucht, bringt ein Opfer mit, dh. er spendet etwas. Das soll nicht zuwenig sein. Manchmal geht von einem Tempel ein soziales Engagement aus, aber nicht immer. Eine kritische Stimme hat mir verraten, dass die Stiftung eines Tempels am Ende ein recht lukratives Geschäft sein kann...
Im Bild ein kleiner Teil des Laxmi-Tempels in New Delhi, gestiftet von der Industriellenfamilie Birla

Chai-Walla


Das inoffizielle Nationalgetränk ist der indische Tee. Die Zubereitung ist recht aufwändig. Da wird zunächst Wasser mit Teekraut (zu Körnern fermentiert - wie wir es vom Assam-Tee her kennen) und Gewürzen aufgekocht. Dann wird halb so viel Milch hinzugefügt und wieder aufgekocht. Zuletzt wird Zucker beigegeben und weiter gekocht. Die Brühe wird dann gesiebt und zwei, dreimal umgeleert. Am besten ist Chai, wenn er in einer möglichst alten Pfanne irgendwo am Strassenrand gekocht wird.
Ein Glas oder ein Wegwerfbecher Tee (ca. 1 dl) kostet in New Delhi 5 Rs, das sind rund 15 Schweizerrappen. Im Vergleich dazu kostet ein Bier 80 Rs, ein frischgepresster Fruchtsaft ca. 50 Rs, eine Flasche Mineralwasser 15 Rs und eine Coca-cola 40 Rs. Chai ist also sehr billig und ein wichtiger Nahrungsbestandteil für arme Leute.
Wie du vielleicht gelesen hast, steigt der Zuckerpreis weltweit sehr stark. Schuld daran sind schlechte Zuckerrohrernten in Indien (in Folge von Klimaerwärmung) und der regulierte Markt. Indien ist auch einer der wichtigsten Zuckerabnehmer. Der Staat hat jahreslang die Preise festgesetzt, zu tief, mit dem Resultat, dass viele Zuckerrohrplantagen aufgegeben worden sind. Jetzt wird die Privatisierung eingeleitet.
Wie reagieren die Chai-Wallas? Ein Chai kostet 5 Rs - auf der Strasse ist das schwierig zu ändern. Sie fügen einfach weniger Zucker bei. Indischer Tee ist zur Zeit nicht klebrig süss.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Bildungsoffensive


Wenn es so etwas wie eine Bildungsoffensive gibt, dann findet sie in Indien (und vermutlich in anderen Ländern wie China) statt. In jedem von meinen bisherigen Interviews wurde die Bildung erwähnt. Wurde ich schon vor 20 Jahren auf meinen Ausbildungsgrad angesprochen (bachelior or master), so kann heute in Indien so ziemlich jeder Abschluss und jedes Diplom gemacht werden. An den Strassenrändern und in den Zeitungen buhlen die verschiedenen Anbieter (seit ein paar privatisiert) mit ihren Zertifikaten BBA, BCA, MBA, MCA, BScIT, MScIT, PGDBA, MScCs, Ph.D, M.Tech, B.Tech usw. Manche Ausbildungen haben internationales Niveau und sind direkt von einer der englischen oder amerikanischen Top-Universitäten approbiiert. Wer einen solchen Titel hat, kann nicht nur ohne Wechsel sonstwo auf der Welt weiter studieren (was mit Schweizer Abschlüssen nicht so ohne weiteres möglich ist), sondern ist auch als Lehrperson anerkannt. Diese Bildungsangebote werden nicht nur angeboten, sondern auch fleissig genutzt.
Mit Bildung lässt sich sehr viel Geld verdienen. Bildung wird hier vor allem als Auswendiglernen und Nachvollziehen verstanden. Ein Englisch-Professor hat mir kritisch erklärt, dass er jährlich die Lizenz für seine Lehrtätigkeit erneuern muss. In einem Test muss er offene Fragen beantworten. Diese Antworten werden mit der Standart-Formulierung von zehn Experten verglichen. Stimmt die wörtliche Formulierung nicht überein, gilt die Frage als falsch beantwortet.
Aus Schweizer Sicht werden aber die handwerklichen Berufe vernachlässigt. In Indien gibt es keine Berufslehre. Die Steinbearbeiter, Mechaniker, Elektriker, Sanitäre usw. arbeiten auch entsprechend schlecht. Oft habe ich Mühe, genau hin zu schauen. Die schönsten Marmorplatten, Waschbecken, Tropenhölzer werden schon zerkratzt, angebrochen, aufgerauht und wieder geflickt, noch bevor sie verbaut sind.
Indien ist auf dem besten Weg, den Europäern die Arbeiten mit hoher Bildung abzunehmen. Uns bleibt dann die Uhrmacherkunst...

Abkürzungen und Sprachenwirrwarr

Die Städter in Indien lieben Abkürzungen und Sprachwechsel. Nicht dass es nicht schon genügend Abkürzungen für jedes Amt, jeden Ausbildungsgrad und jeden möglichen Sachverhalt gibt: Ich wohne in GCA (greater Capital area), und im Hotel kann man ein "02 adjacent" (means: Two persons shall be accommodated in adjacent room, next to Your room) buchen. M'bai und Dilli-people schaffen gern neue Abkürzungen und Sprachvermischungen. Auf der Seite "htcity" (Hindustan-Times, City) stehen unter der Rubrik "DilSe" (vermutlich Delhi-Seeing) eine Reihe von Anzeigen:
  • Dear Mom and Dad, mum paa m so sorry mjhe aisa ni krna chalya tha plz 4gve me.....plz mum
  • hi Amit, love u n wnna marry u - urs love
  • dear pickachoo, i luv u a lot..mis ew :( :( :(.... widout u m incomple...luv u lotx..! ur jigglypuf..!

Mittwoch, 14. Juli 2010

Kremation heute


Auf den Wunsch eines Lesers meiner Blogs hin habe ich mich näher mit den elektrischen Krematorien auseinander gesetzt. In New Delhi gibt es 30 Krematorien, ein paar wenige davon mit eletrisch betriebenem Ofen. Eines davon habe ich besucht. Gegen ein kleines Entgelt konnte ich auch längere Zeit mit dem Geistlichen sprechen. Es gibt zwei Gruppen von Pandits: Die einen arbeiten in Tempeln, die andern (Mahapandits) sind für Todesfälle zuständig. Das sind zwei verschiedene Unterkasten der Brahmanen. Die Aufgabe und das Wissen um die Zeremonielle werden vererbt.
Die Anlage umfasste zwei Hallen (eine für den Gottesdienst, die andere zum Ruhen, Schlafen, Übernachten der auswärtigen Gäste), ein Holzlager, ein Büro, einen Brandplatz mit 34 Feuerstellen und eine Halle mit zwei elektrischen Öfen. Die Öfen funktionieren wie in der Schweiz, ausser dass die Prozesstemperatur mit Strom und nicht mit Heizöl erzeugt wird. Traditionelle Hindus sind bei der Verbrennung dabei, zumindest in der ersten Stunde, wo die Zeremonien stattfinden. Särge gibt es nicht, die Körper werden in Tücher eingewickelt. Die Kremation wird so rasch wie möglich durchgeführt, nach Möglichkeit schon am Todestag. Dauert die Identifizierung eines Toten länger, wird der Leichnam mit Eisblöcken gekühlt. Die elektrischen Öfen sind für die wenigsten Hindus ein Problem, ausser dass die Zeremonien abgekürzt werden müssen. Aufgeschlossene Ökofreaks bekennen sich zur elektrischen Kremation. Holz ist in Indien rar. Hindus aus Bihar und andere sehr traditionsgebundene Gläubige wählen immer die Holzkremation. Sie verweilen auch sechs Stunden neben dem Leichnam, bis er ganz verbrannt ist. Die Asche wird nicht in der Erde beigesetzt, sondern einem Fluss (Ganga) mitgegeben. Die Hindus haben keine Gräber für ihre Verstorbenen.
Christen und Muslime verbrennen nicht, sie haben Gräber. Da der Platz in Delhi knapper wird, überlegen sich z.B. die Methodisten, auf die Kremation umzusteigen. Die Parsen haben Türme, wo sie ihre Toten der Sonne, der Witterung und den Vögeln aussetzen. Die Parsen halten Erde, Wasser, Feuer und Luft heilig. Diese dürfen nicht durch einen Leichnam verunreinigt werden. Einen solchen Turm habe ich noch nie gesehen, sie sind für Nicht-Parsen nicht zugänglich.

New Delhi wird neu gebaut




Im Oktober finden in New Delhi die Commen-Wealth-Games statt. Die haben die Dimension der Olympischen Spiele. Letzte Woche wurde in einer Zeitung kritisiert, dass sich die baulichen Vorbereitungen verzögern würden. Am Connaught-Place (Ein Kreisel so gross wie die Altstadt Schaffhausen) hatten sie von 10 Metroaufgängen gleich 5 aufgerissen, um sie zu erneuern. Das Ganze lief offenbar ziemlich unkoordiniert, die Bauequipen behindern sich gegenseitig. Vom Verkehr ganz zu schweigen. Der kritische Artikel hat zur Folge, dass jetzt Tag und Nacht gebaut wird. Dabei werden sowohl schwere Baumaschinen als auch die blossen Hände und Füsse eingesetzt.
In Delhi wird ohnehin fleissig gebaut. Die drei neuen Metrolinien werden nicht etwa Haltestelle um Haltestelle gebaut, sondern auf der ganzen Linie gleichzeitig! Das heisst, die Linien können innert weniger Monate in Betrieb genommen werden. Auf dem Metro-plan, der in den Stationen aufgehängt ist, sind die zukünftigen Linien prospektiv schon aufgeführt. Das ist mir auch schon zum Verhängnis geworden.
Wenn ich abends die 300 Meter von der Metrostation zum Hotel zurück gehe, sieht der Weg jedesmal anders aus. Auch hier wird gebaut, wieder aufgerissen, zugeschüttet, abgesperrt, improvisiert. Beim sich ständig verändernden Stadtbild muss ich gut aufpassen, dass ich mich am nächsten Tag wieder zurecht finde.

Religionspolitik mit Gräbern

Das berühmteste Bauwerk Indiens ist das Taj-Mahal. Es ist ein Mausoleum und wurde vermutlich nie bewohnt. Die Inspiration dazu war das Grab des Hanuman (Bild) in New Delhi. Auf einer riesigen Anlage liess im 16. Jhd. die Witwe von Humayun dieses Grabmahl erstellen. Man muss sich das einmal vorstellen: Die fremden Muslime, diesmal die Mughals, hatten wieder einmal mehr die Macht in Indien übernommen. Die Hindus, Buddhisten, Jains, Parsen usw. kennen keine Gräber. Der Leichen werden verbrannt, die Asche der Ganga (einem Fluss) mitgegeben. Welches Zeichen mussten die Muslime mit ihren riesigen Mausoleen gesetzt haben? Und wofür? Wollten sie den Auferstehungsglauben (gegenüber der Reinkarnationsvorstellung) in Stein festsetzen? Viele religiöse Gruppen setzen ihre Verstorbenen in ihrer Heimat bei. Mit ihren überdimensionierten Gräbern hatten die Muslime zunächst sicher einmal demonstriert, dass sie sich in Indien daheim fühlten.

Dienstag, 13. Juli 2010

Religion und Sauberkeit


Hat die Religiosität einen Einfluss auf Ordnungssinn, Sauberkeit und Hygiene? Auf den ersten Blick nicht, aber auf den zweiten. Die Muslims kennen strenge Reinigungsriten, die nicht nur symbolischen Charakter haben - wie etwa die Taufe der Christen. Grundsätzlich waschen sich Inder häufiger als wir Europäer. Auch kleidungsmässig sind uns die Inderinnen und Inder weit überlegen. Eine Ausnahme machen die ganz armen Leute, die körperlich arbeiten, keinen Zugang zu sauberem Wasser haben und sich keine sauberen Kleider leisten können. An den heiligen Orten sieht es allerdings anders aus. Ganz auf der sauberen Seite stehen die Jains und die Bahaí's. Der glänzende Marmor wird dort gefegt, noch bevor ein Staubkörnchen darauf fallen kann. Ebenfalls auf der sehr sauberen Seite sind die Gurdhwaras der Sikhs. Die werden ständig mit viel Wasser geschwemmt, weil das Wasser im Gurdhwara heilig ist (Amrit = Nektar). Die Moscheen der Muslims lassen schon etwas zu wünschen übrig. Ganz unten sind die "local temples" der Hindus (mit Ausnahme der Harekrishna). Dort verkehren natürlich auch vor allem einfache und arme Leute. Der Dreck wird dort aber geradezu produziert. Die Opfergaben (Früchte, Blüten, Milch, süsser Brei, Blätter usw.) landen nämlich irgendwann auf dem Boden.
Alle heiligen Orte in Indien werden barfuss oder in Socken betreten (ausser die Kirchen). Bei vielen habe ich das Bedürfnis, die Füsse vorher zu waschen (wie bei den Moscheen), um auf dem Boden keine Staubabdrücke zu hinterlassen. Bei einem Hindutempel habe ich meistens erst nach dem Besuch das Bedürfnis, die Füsse zu waschen...

Montag, 12. Juli 2010

Wer als letzter lacht...


Von allen Invasoren sind in Indien die Muslime am wenigsten beliebt. Im Unterschied zu den Ariern, den Afghanen, Mongolen und Engländern hatten sich die Muslime nie um eine Integration bemüht, sondern ihre Kultur und Religion ohne Änderungen eingeführt. Ein Zeichen dafür ist "Qutab Minar", eine der ältesten Städte von Delhi. Inmitten von prächtigen Ruinen steht die älteste Moschee von Nordindien. Sultan Qutbuddin liess sie Ende 12. Jhd. errichten. Für einen Teil des Baumaterials liess er Jain- und Hindutempel plündern. Ein Akt der Macht, oder hatte er selber zu wenig Steinmetzen, oder war er Sammler? Auf jeden Fall stehen bis heute mehrere Dutzend Säulen mit Hindumotiven in der ehemaligen Moschee. Muslimen ist die Darstellung von Menschen und Tieren verboten, sie behelfen sich mit sehr schönen Ornamenten. Ironie? Unter den Hindu-Darstellungen habe ich gleich mehrere lachende Gesichter entdeckt. Die Hindu-Gottheiten scheinen über ihre Verwendung in einer Moschee zu lachen.

Sonntag, 11. Juli 2010

Das Grab von Moses: gefunden!

Ich weiss ja nicht, wie du es mit esoterischem Wissen hältst. Wenn du dich von vornherein nicht auf Verschwörungstheorien einlassen willst, dann lies nicht weiter.
Ich bin zufällig in einer Buchhandlung auf ein Büchlein über antike europäisch-asiatische Kontakte gestossen. Von Alexander dem Grossen wissen wir ja, dass er in Nordindien war. Griechische Einflüsse auf Buddhatempel entlang der Seidenstrasse wurden letzthin im Rietberg-Museum gezeigt. Auch die Legende vom Apostel Thomas in Südindien ist kaum zu entkräften. Im Raum Kashmir (Nordindien) sind Ortsnamen mit "KuSCH" sehr verbreitet, so z.B. "KaSCHmir" und "HinduKuSCH". In der Bibel wird ein Enkel von Noah mit "Kusch" bezeichnet. Gewisse Stämme im Raum westlich des Himalayas, aber auch in Chochin ganz im Süden bezeichnen sich als "Bani Israel". Auf vielen Ebenen sind Indizien für eine Verwandtschaft zu erkennen: in der Sprache, in der Essenskultur, in der Ausrichtung der Gräber u.ä. Tatsächlich gehen im Alten Testament ein paar der zwölf Stämme irgendwie verloren. Offenbar sind sie im 5. Jhd.v.Chr. nicht aus dem Babylonischen Exil nach Jerusalem zurück gekehrt. Auch der antike jüdische Schriftsteller Josephus schrieb, dass früher Juden nach Persien, Afghanistan und Nordindien ausgewandert seien.
Es kommt noch besser: Wie jeder kundige, jede aufmerksame Bibelleserin weiss, ist das Grab von Moses unbekannt. Die Aussage in 5.Mose 34/6, dass niemand sein Grab kenne, gibt Rätsel auf. Gräber von berühmten Menschen sind immer bekannt. In der Bibel werden der Berg Nebo, Beth-Pegor und ein Tal im Moab genannt. Diese drei Orte gibt es in Kashmir! Und hier wurde tatsächlich über lange ein Zeit das Grab eines Mosa, des "Buchpropheten" verehrt.
In einem der nächsten Blogs beschreibe ich euch das Grab von Jesus! Anfang August kann ich nämlich die entscheidenden Orte Srinagar, Leh und Hemis besuchen.

Samstag, 10. Juli 2010

Insignien der Sikhs


Die Sikhs sind leicht an ihren schönen Turbanen zu erkennen. Es gibt verschieden Farben und verschiedene Arten, sie zu wickeln. Ein Sikh erklärte mir, dass er jeden Morgen etwa eine Viertelstunde für das Kunstwerk aufwände.
Seit etwa dem Jahr 1700 tragen alle Sikhs fünf Zeichen dafür, dass sie "getauft" sind (sie benutzen den gleichen Ausdruck; sie trinken aber das Wasser): 1. sie lassen sich die Haare wachsen (und tragen darum einen Turban), 2. sie tragen einen hölzernen Kamm mit sich (unter dem Turban), 3. ein Schwert, 4. ein Armreif, 5. und Hosen, resp. Unterhosen ("pants").
Was aber bedeutet das? Natürlich gibt es dazu verschiedene Erklärungen. In einem Buch habe ich gelesen, dass Gobind Singh (der letzte der zehn Sikh-Gurus) eine schlagkräftige Armee habe bilden wollen. Schwert, Schlagring und Hosen gehören zu einem Soldaten. Um eine Koalition mit einer befreundeten Volksgruppe, die sich aus anderen Gründen Bärte wachsen liessen, eingehen zu können, hielt er seine eigenen Leute an, sich ebenfalls die Haare wachsen zu lassen. Der Kamm dient der Pflege.
Der Herr auf dem Bild erklärte mir sehr ausschweifend, dass das alles gar nicht stimme: Die Haare sind uns Menschen von Gott geschenkt worden. Deshalb sollen wir selber sie nicht verändern, sondern wachsen lassen und pflegen (Kamm). Das Schwert sei das Symbol der geistigen und mentalen Kraft, der Armring dagegen ermahnt uns daran, unsere Aggression zurück zu halten. Die (Unter-)Hosen seien ein Zeichen dafür, dass ein gläubiger Mensch seine Sexualität zu zügeln weiss.

"honour-killing"


Jede gesellschaftliche Bewegung hat eine Gegenbewegung. In den indischen Zeitungen wird täglich von "honour killings" berichtet. Da wird eine junge Frau oder ein junger Mann - oder gleich beide - tot aufgefunden, es wird ein Tötungsdelikt vermutet, verdächtigt werden eigene Familienangehörige. Der brutalen Tat vorausgegangen ist jeweils eine Liebesbeziehung, die nicht ins Konzept der Familie passt, d.h. der oder die PartnerIn des eigenen Kindes stammt nicht aus der genehmen Kaste. Haben bis vor kurzem die Zeitungen von Mumbai und Delhi ziemlich herablassend über die barbarischen Bräuche von "villagers" berichtet, so häufen sich in letzter Zeit aber Berichte über solche Fälle innerhalb eher armer Kreise in den Grossstädten.
Meiner Ansicht nach verbirgt sich hinter diesen furchbaren Verbrechen ein Generationen- und ein Modernitätskonflikt. Die Jungen leben in einer anderen Welt als manche ihrer Eltern. Das "cellphone", die West-Movies, das Motorrad, das heimliche Rauchen und Alkoholtrinken kann man ja noch durchlassen. Sobald aber die Zukunft der Familie betroffen ist (durch eine Hochzeit oder schon nur durch sexuelle Kontakte), geht es um Sein und Nichtsein.
Ich bin nicht sehr glücklich mit dem Ausdruck "honour killing", der verwendet wird. Zum einen haben diese Verbrechen nichts mit Ehre zu tun. Zum anderen geht es um Mord ("murder") und nicht um Tötung. Auch der deutsche Begriff "Ehren-Mord" ist nicht korrekt. Besser wäre "Traditionsmord".
Erst jetzt wird im indischen Parlament das Gesetz in der Weise verschärft, dass der Tatbestand als Mord geahndet werden kann, was sich ganz wesentlich auf das Strafmass der Täter- und Mittäterschaft aufwirkt. Ob die täglichen Berichte rückständige Familien von solchen Taten abhalten, oder ihnen umgekehrt die Option "honour killing" nahelegen, weiss ich nicht.
Aus religiöser Sicht kommen diese "honour killings" nur bei Kasten-Hindus und selten bei Muslimen vor. Die anderen Religionen wie Sikhs, Jains, Buddhisten und Christen sind im Allgemeinen zu modern und tolerant eingestellt, um einen Mord in Erwägung zu ziehen.

Donnerstag, 8. Juli 2010

niedrige Priesterklasse


Wer die Bibel liest, wundert sich über die Unterscheidung von Priestern und Leviten. In den Kommentaren heisst es, die Leviten hätten eben den niederen Priesterstand gestellt. Bei den Gruppierungen, die zum Hinduismus gezählt werden, ist dieser Priesterstand alltäglich. Neben den Gurus ("Lehrmeister"), den Sahibs und Sadhus ("Heilige") gibt es die Pandits. Die stehen entweder im Dienst eines Tempels oder einer Familie und sind immer brahmanischer Abstammung (Priesterkaste). Sie sind schlecht gebildet und nicht besonders angesehen. Man braucht sie halt für die Höhen und Tiefen des Lebens. In der Geschichte der Sikhs gab es einen längeren Konflikt zwischen den "mahands" (anderer Name für pandit) und der Sikh-Gemeinschaft. In jener Zeit hatte sich der Sikhismus noch nicht deutlich vom Hinduismus gelöst. Die Sikhtempel waren fest in den Händen der mahands, die sie ihrerseits wieder ihren Kindern vererbten. Die Tempel hatten nicht nur feste Einkommen (Opferspenden), sondern sogar Ländereien. Die mahands neigten eher zu hinduistischen Bräuchen, der reformatorische Sikhismus waren ihnen suspekt. Der Konflikt eskalierte 1921, als ein mahand 130 Sikhs in seinem Tempel einschloss und niedermetzelte. Indien war noch immer unter englischer Herrschaft. Die Engländer entmachteten und enteigneten in der Folge die mahands. Seither haben die Sikhs im Prinzip keine Priester mehr, sondern betreiben die Gurdhwaras mehr oder weniger in Freiwilligenarbeit. Wobei in einem Gurdhwara sehr viel Geld umgesetzt wird. Ein Sikh fragt nicht, was es ihm bringt, sondern was er beisteuern kann.
Im Bild Ramanpandit (das ist sein Name) vom Shiva-Tempel beim Roten Fort

Goldener Tempel in Amritsar


Der schönste religiöse Ort, den ich je gesehen habe! In Amritsar, ganz an der Grenze zu Pakistan, befindet sich das zentrale Heiligtum der Sikhs. Der Goldene Tempel ist eine recht grosse Anlage (vielleicht etwa so gross wie vier Fussballfelder), in der Mitte umgeben von einem quadratischen Wasserbecken der total vergoldete Tempel. Rund ums Wasserbecken einen ungedeckten Rundgang und dahinter eine durchgehende Säulenhalle. An diesem riesigen Innenhof schliessen sich weitere wichtige Gebäude an. Hier wird zusammen gebetet, gebadet, gegessen, gearbeitet, diskutiert. Täglich sollen rund 100'000 Menschen (!) den Ort besuchen. Die Beherbergung all dieser Leute wird ohne grössere Probleme durch Grossküche, Dininghalls und Guesthouses sicher gestellt. Das Allerheiligste, als die Mitte der Anlage, ist das Original der heiligen Schriften der Sikhs. Durchgehend kommen nur die edelsten Materialien Marmor, Gold und Wasser vor. Im Unterschied zu den Hindus und den Muslimen achten die Sikhs auf grosse Reinlichkeit im Tempel, ohne etwa Kinder in ihrem Spielen wesentlich einzuschränken. Das Ganze wird äusserst rein gehalten. Der Goldene Tempel hat vier Tore. Die Zahl steht nicht nur für die Himmelrichtungen, sondern auch für die vier Weltreligionen (vermutlich hatten sie damals beim Bau nicht ans Christentum und das Judentum gedacht - oder den Buddhismus zum Hinduismus gezählt und die Juden ausgelassen).
Für meine Arbeit konnte ich ein Interview mit vier Jugendlichen machen.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Freundliche Bürokratie

Indien löst sich langsam von der schwerfälligen Bürokratie, die es von den Engländern geerbt hatte. Auf Relikte von alten Strukturen stosse ich aber immer wieder. So fährt Parvish (Professor an einem College) während der "unterrichtsfreien" Zeit jeden Tag zum College, nur um seine Unterschrift in ein grosses Buch zu setzen. Als Beweis, dass er an diesem Tag gearbeitet hat. Mein bisher eindrücklichstes Erlebnis war in Chandigarh, die Stadt, die von Le Corbussier konzipiert worden ist. Der "Kopf" der Stadt besteht aus drei riesigen Gebäuden, jeweils vielleicht 10 Stockwerke hoch und architektonisch sehr schön gebaut. Das sind das Sekretariat (die Ministerien), das Parlament und das Höchste Gericht. Von Le Corbussier als offen zugängliche und sehr belebte Plätze gedacht, wird das Gelände nun grossräumig militärisch abgeriegelt. Man hat Angst vor terroristischen Anschlägen, nicht ganz zu Unrecht. Besichtigen kann man das aber trotzdem - mit den entsprechenden permits. Ein befreundeter Sikh wollte mir das Gebäude zeigen. Immerhin leitete er bis vor ein paar Jahren das offizielle Tourismus-Büro von Chandigarh, hat heute ein eigenes Reisebüro und verfügt nach wie vor hervorragende Kontakte. Von der zweiten Strassensperre wurden wir abgewiesen. Wir fuhren dann in die Stadt zurück ins Büro des Nachfolgers meines Führers. Nach einer halben Stunden Geplauder, ein paar Gläsern Tee und Fotokopien meines Passes erhielten wir - kostenlos - drei schriftliche permits, namentlich ausgestellt auf uns. Vermutlich ist das Ausstellen dieser permits eine der Hauptbeschäftigungen des Leiters des Fremdenverkehrsamts. Damit fuhren wir wieder zum Regierungsviertel zurück. Die Permits mussten wir dort in Badges austauschen, es war aber gerade Mittagspause. Nach einigen Diskussionen wurde das Besuchsprogramm dann umgestellt, sodass wir nicht länger warten mussten. Oder damit die Leute dort die Mittagspause ungestört verbringen konnten. Im Parlamentshaus, es war keine Session, wurden wir persönlich begleitet. Dann war die Mittagspause um . Für die Badges wurden wir fotografiert und ich musste nochmals meinen Pass zeigen. Damit gelangten wir bis vor das Gebäude. Dort wurden nochmals mein Pass mit dem Badge und mit dem permit verglichen. Dann wurden wir abgetastet und einem Soldaten in Uniform und modernen Waffen übergeben. Dieser führte uns nun nicht etwa direkt aufs Dach, von wo aus wir die schöne Aussicht geniessen sollten, sondern zunächst in den 6. Stock in eines der vielen Grossraumbüros. Das ist schlimmer als in jedem Film. Dort stehen eng beieinander antike Tische, auf denen sich Stapel von zerfledderten Dokumenten türmen. Dahinter Inder in Anzug und Cravatte. Eine AC hatte es nicht, dafür jede Menge Propeller, welche jedes nicht beschwerte Papier herumwirbeln. In der Mitte ein finster dreinblickendes Alphatier, das seinen Job kaum seiner Leistungen oder Kompetenzen gekriegt hat. In diesem Büro, alle sehr freundlich, mussten wir nochmals 20 Minuten sitzen, dieses Mal ohne Tee oder Wasser. Dann erhielt ich alle meine Dokumente wieder zurück und wir konnten endlich aufs Dach des Gebäudes. Die Aussicht war eher mittelmässig. Apropos: Alle Lifte hatten Liftboys, deren einzige Aufgabe das Drücken der Knöpfe ist...

Reiseroute

14. bis 27. Juni: Mumbai

18.+19. Juni: Srirampur, zusammen mit der Gruppe SPROUTS (Umweltschutz-Bildung)

20. Juni: Shirdi (Wallfahrtsort von Saibaba)

28. Juni bis 1. Juli: Chandigarh (die von le Corbussier geplante Stadt)

2. bis 4. Juli: Dharamsala-Mcloadgunj (Exil von Dalai Lama und weiteren Tibetern)

5.+6. Juli: Amritsar (Goldener Tempel der Sikhs)

7. bis 25. Juli: Delhi

18.-21. Juli: Ausflug nach Haridware (Pilgerort) und Rishikesh (dort hatten die Beatles meditiert, herausgekommen war das Weisse Album)

Den Aufenthalt in Srinagar gebe ich auf, die Unruhen dort sind zu gross. Ich würde eine Ausgangssperre riskieren und möchte meine Tage nicht in einem Hotel verbringen.

22. Juli: Flug nach Mumbai

event. ein paar Tage in Goa (nicht am Strand, sondern im Landesinnern)

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weiteres Programm noch offen wegen Visa-Problemen

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1. bis 15. Aug: Trek zusammen mit Anand und weiteren Leuten durch Ladakh (nördlichster Staat von Indien), ausgehend von Shrinagar

16. Aug bis 4. Okt: Mumbai

ein paar Tage in Goa

ein paar Tage in Pune

4. bis 21. Okt: Familienferien: Mumbai – Bharatpur – Delhi – Khajuraho – Bhandavgarh - Mumbai

Samstag, 3. Juli 2010

Gurdhwara



Die Tempel der Sikhs heissen Gurdhwara, übersetzt etwa „das Tor des Guru“ oder „Weg des Lehrers“. Die Sikhs sind eine Religionsgemeinschaft, die vor allem in Nordindien weit verbreitet sind. Der Sikhismus ist vor einigen Jahrhunderten vom Profeten Nanak als eine Art Reformation des Hinduismus ins Leben gerufen worden. Die Sikhs legen Wert auf die eigene Arbeit und die Gastfreundschaft, sie lehnen Bilder und Statuen ab und sind leicht an ihren schönen Turbanen zu erkennen. In ihrer heiligen Schrift finden sich Texte von verschiedenen Profeten, auch von Mohammed. Ich bin gern in den Gurdhwaras zu Gast, denn da bin ich immer herzlich willkommen. Jedem Gurdhwara-Besucher wird ein einfaches Essen offeriert.
In Chandigarh konnte ich mit dem Präsidenten der lokalen Sikhgruppe sprechen. Er erkennt viele Veränderungen zu früher. Die Leute hätten mehr Freiheiten und verdienten viel mehr als noch vor 20, 30 Jahren. In seinem Gurdhwara führe das zu mehr Besuchen, zu mehr Spenden und zum Ausbau von Gebäulichkeiten und Angeboten. Die Mitglieder seien heute aber auch anspruchsvoller. Auch auf der religiösen Ebene erwarten sie eine bessere Ausbildung für ihre Kinder. Mit der Verwestlichung habe er keine Mühe, sie höre am Tempeleingang auf. Denn im Tempel gelten nach wie vor die strengen Kleidungsvorschriften und Benimmregeln. Die offenen Sikhs haben mit interreligiösen Ehen keine Mühe. Sie laden auch Kinder von anderen Religionen in ihren Unterricht ein.
Politisch sind die Sikhs immer wieder unter die Räder gekommen. Die muslimischen Eroberer hatten sie unterdrückt. Nach der Teilung von Indien lebten im indischen Teil des Panjabs sehr viele Sikhs. Ein paar Extremisten forderten einen unabhängigen Sikh-Staat, was aber von Indira Gandhi verhindert wurde, weil diese Sikhstaat sehr rasch von Pakistan annektiert worden wäre. Heute ist der Panjab die Kornkammer Indiens.
Auf dem Bild ein neues Gurdhwara, irgendwo an einem kleinen Flecken bei einem Staudamm.

Chandigarh


Es ist faszinierend, in einem Kunstwerk herum zu gehen. Das ist in Chandigarh der Fall. Die Stadt wurde vor 55 Jahren vom Schweizer Künstler Le Corbussier entworfen und nach seinen Vorstellungen gebaut. Auf der Schweizer 10er-Note findest du nicht nur ein Bild von Le Corbussier, sondern auch von einem seiner Gebäude. Das steht in der nordindischen Stadt Ghandigarh.
Durch die Teilung von Indien und Pakistan wurde auch der Panjab geteilt. Der südliche Teil verlor dadurch seine Hauptstadt. Da sich keine der bestehenden Städte eignete, beschloss der Premierminister, eine neue Stadt zu bauen. Le Corbussier erhielt schliesslich den Auftrag, stellte aber Bedingungen, die bis heute erfüllt werden. So steht Ghandigarh z.B. unter direkter Verwaltung von Delhi und ist von den beiden Staaten Panjab und Harjan, von denen beiden sie heute Hauptstadt ist, unabhängig. Le Corbussier wollte, dass jeder Mensch einen Platz an der Sonne, an der frischen Luft und im Grünen erhält. Infrastruktur und Verkehrswege sollten von Anfang an optimal auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt werden. Seine Lösung sind die Sektoren. Die Stadt besteht aus rund 80 Sektoren, die alle 800m breit und 1200m lang sind. In der Mitte jeden Sektors finden sich Läden, ein Kino usw., alles für den täglichen Gebrauch. Darum herum stehen Schulhäuser, Sportplätze, Kinderspielplätze in einer Grünzone. Und dann kommen die Wohnhäuser, die höchstens 3 Stockwerke hoch sein dürfen und über einen eigenen Garten verfügen. So hat jede Familie Zugang zu Sonne, frischer Luft und Grünland. Im Idealfall ist der Sektor mit einer Mauer umgeben, die Erschliessung erfolgt über vier Eingangstore jeweils in der Mitte. Es gibt 7 Strassentypen, wobei seit ein paar Jahren noch Fahrradwege als 8. Typ dazu kommen. Zwischen den Sektoren befinden sich richtungsgetrennte Schnellstrassen, die grosszügig in einer Allee geführt werden. Alle 800, resp. 1200 Meter stösst man auf ein Rondell. Die nicht-alltäglichen Bedürfnisse wie Verwaltung, Universität, Spitäler, Industrie, künstlicher See u.ä. sind am Rand in speziellen Sektoren angesiedelt. Le Corbussier hat in einem Codex noch eine Reihe von weiteren Massnahmen zur Sicherung der Lebensqualität festgehalten. So gibt es z.B. keine Statuen, weil die Zeit des Personenkults vorbei sei. Viele wichtige Gebäude von der Verwaltung bis hin zum Normhaus für einfache Leute sind von Le Corbussier selber gezeichnet worden.
Das Ganze ist tatsächlich ein Kunstwerk. Die Lebensqualität ist wirklich beeindruckend, der Verkehr fliesst, die Leute haben Raum und Freiräume, die Entwicklung ist in keiner Weise gehemmt. Ich bin vier Tage lang durch die Stadt gepilgert. Aber irgendwie fehlt mir doch etwas. Da ist alles rechtwinklig, da ist nichts gewachsen, da gibt es keine biologische Formen. Aufgefallen ist mir das erst im Garten der Kunstakademie. Ich habe dort ausschliesslich menschliche, runde und verspielte Formen gefunden. Mit einem der Künstler habe ich länger gesprochen. Er liebt Chandigarh, in keiner Stadt seien die Leute so kunstbewusst wie hier.

Sonntag, 27. Juni 2010

problematisches Wiederaufleben der Religionen

Im Wilson-College traf ich mich mit Sudhakar, den ich damals vor 24 Jahren in Assisi getroffen hatte. Er ist Lehrer im Wilson-College und Christ. Er wusste von meiner Fragestellung und hatte gleich Mdm Sheherznaz R. Natwalle hinzugezogen. Die quirlige Power-Frau unterricht vergleichende Religionswissenschaften. Sie stellt eine starke Zunahme der Religiosität fest. Und zwar weltweit, womit sie sich vermutlich auf Berichte aus Nord- und Südamerika und den Nahen Osten bezieht. Diese Zunahme erlebt sie als sehr problematisch. Religion würde zum lifestyle, sie diene heute vorwiegend der Identitätsfindung und Gruppenbildung. Lifestyle, eigene Gruppe und Identität würden dabei nicht hinterfragt, sondern einfach nur übernommen. In ihren Klassen sei eine kritische Auseinandersetzung über diese Dinge nicht möglich. Im Unterschied zu den 70er und 80er Jahren bezeichne sich heute hier in Mumbai kaum ein Jugendlicher als Ungläubig. Interessanterweise hat Mdm Sheherznaz noch nie von Hans Küng und seinem Projekt gehört. Ich werde ihr bei Gelegenheit eines besorgen.

Interview mit Bharat R. Salenki


Von meinen Studien hier in Indien will ich nur am Rand berichten. Mein erstes Interview führte ich mit dem "Kollegen" Reverent Bharat R. Salenki von der Methodistischen Kirche. Er ist in meinem Alter, hat ebenfalls Familie und erlebt die gesellschaftlichen Veränderungen in Indien sehr positiv. Mit der Verwestlichung, die er grundsätzlich natürlich problematisch findet, gehe aber eine starke Öffnung einher. Die nutzt er, um neue Mitglieder für seine Kirche anzuwerben. Er betreibt keine offene Mission - aus Rücksicht auf die anderen Religionen -, fordert seine Mitglieder aber auf, aktiv auf Freunde und Nachbarn zuzugehen. In den letzten drei Jahren hat er fast 40 neue Mitglieder angeworben, unterrichtet und dann getauft.

Samstag, 26. Juni 2010

Sanjay Gandhi National Parc










Gestern habe ich mich einem Ausflug in den "Stadtpark" angeschlossen. Mitten in Mumbai liegt ein unberührtes Waldgebiet von 104 qkm (das entspricht einem Drittel der Fläche des Kt. Schaffhausens!). Das ist ein kleines Paradies mit Dschungel, versteckten Wasserfällen, alten Tempeln und vielen Tier- und Pflanzenarten. Die buddhistischen Tempel, zwischen 100 B.C. und 1000 A.C. in das harte Vulkangestein eingemeisselt, waren es denn, die in erster Linie meine Neugier weckten. Die zwei Tag zu siebt waren herrlich, nur die Nacht, typisch indisch improvisiert auf einer nackten Betonfläche von 6 m2, war grässlich. Schuld daran waren die Tausende von Moskitos... Das war der Preis für so viel Schönes, was ich sehen, hören und geniessen durfte: drei Affenarten (Bonnet- und Rhesus-Makaken von ganz nah, einen Lemuren von weitem), Landkrebse, eine Viper, prächtige Schmetterlinge, ganz viele Blüten und Vögel, deren Namen ich wieder vergessen habe. Einmal ist sogar ein Adler über uns geschwebt. Zwischendurch haben wir Datteln, Mangoschnitze und Karambole gegessen, natürlich frisch.

Freitag, 25. Juni 2010

Monsun


In der Schweiz scheint jetzt endlich der Sommer mit den warmen Temperaturen gekommen zu sein. Hier in Mumbai leben wir mitten in der Regenzeit. Seit einer Woche fällt hier sehr viel Regen. Laut Zeitungsberichten ist in den letzten Tage mit 50 bis 80 cm (je nach Stadtteil) ein neuer 10-Jahres-Rekord erreicht worden. Es ist vorkommen, dass es nur kurz und dafür recht stark geregnet hat. Das ist dann wie wenn man unter einer starken Dusche steht, die man nicht abstellen kann. Ich habe aber auch schon ganze Halb- und sogar einmal einen ganzen Regentag erlebt. Zwischen den Regengüssen trocknet es sehr rasch wieder. Auf den Hütten sieht man Leute die Dächer wieder neu abdichten. An einem Abend sind wir mitten am Juhu-Beach in einen richtigen Monsunsturm geraten. So etwas habe ich höchstens auf Schiffen erlebt. Es war wie wenn wenn im Himmel Tausende von Wasserwerfern nach unten gerichtet wären. Dazu noch heftiger Sturmwind, geschätzte Windstärke 6 bis 7. Soviel Wasser kann nicht so rasch abfliessen. Sobald die Abläufe durch irgendwelchen Unrat - und davon liegen hier bergenweise herum - verstopft sind, staut sich das Wasser. Das höchste waren 20 cm, was ich gesehen habe. Das ist gefährlich, weil man unter Umständen dort ja durch muss und man nicht weiss, ob dort ein Loch oder gar eine Grube in der Strasse ist. Auch davon hat es eben viele. Baustellen werden hier selten gesichert, jeder ist für sich selber verantwortlich. Das Wasser selber ist sauber und warm - das Nass-Werden selber ist kein Problem. Viele Leute verzichten auch auf Schirm oder Regenschutz. Ich habe mir ein Paar neue "Chappels" (Sandalen) gekauft, die rutschfest sind und die problemlos nass werden können. Das Ausrutschen ist wohl das grösste Problem im Monsun. Die besseren Trottoirs sind mit einem sehr schönen und robusten Kunststeinbelag gepflästert. Leider wird dieser bei Nässe sehr rutschig. Alles in allem lieben die Inder aber den Regen. Erstens bedeutet der Regen Fruchtbarkeit: die Natur wird grün, an jeder Strassenecke werden die verschiedensten Früchte angeboten, man freut sich auf noch mehr Früchte in der Nach-Monsunzeit. Zweitens senkt der Regen die Temperaturen auf verträgliche ca. 30 Grad. Ich habe diese Nacht sogar ohne Fan geschlafen, die AC-s (Aircondition) sind ausgeschaltet. Und zum dritten wird die Stadt tüchtig gewaschen. In den besseren Orten geht es nur um den Staub, in den Einfahrtsstrasse und Slums geht es auch um die tierischen und menschlichen Fäkalien, die hier ein echtes Problem darstellen.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Wie Gurus gemacht werden


Wegen ihm bin ich extra nach Shirdi gereist. In diesem bis dahin völlig unbedeutenden Ort etwa eine Tagesreise entfernt von Bombay soll er irgendwann Anfang des 20. Jhds. aufgetaucht sein. Niemand wusste woher er stammte. Nicht einmal seine Religion ist geklärt. Er hatte nichts und hatte auch nichts gegründet. Er half einfach wo es nötig war, er hatte für jeden das richtige Wort, heilte Kranke, setzte sich für Tiere und unterdrückte Menschen ein. Im Jahr 1918 starb er.
Saibaba ist heute der wichtigste Heilige weit und breit. In üblicher Überschwenglichkeit wird er sogar zum Gott erklärt. Gleich hier in Mumbai Andheri um die Ecke bin ich auf einen kleinen Tempel für Saibaba gestossen (siehe Bild). Überall stosse ich auf das Bild von Saibaba: in Hotelhallen, Shops, Taxis, Häusern usw. Viele Leute, die vorübergehen, übertragen den Segen vom Bildnis mit einer typischen Handbewegung auf sich selber. Nicht selten steht Saibaba in einer Linie neben Ganesha, Shiva, ja sogar von Jesus und Maria. Nach heutiger Auffassung soll das Bildnis von Saibaba die gleiche Wirkung wie der Heilige selber haben. Er gilt als Wundertäter, Heiliger, Tier- und Menschenfreund.
Die Verehrung hat ein paar interessante Aspekte. Zum steht der Heilige über den Religionen ("Sai" tönt hinduistisch, "baba" muslimisch), wirkt also integrativ. Zum zweiten gehörte der historische Saibaba (sein ursprünglicher Name ist unbekannt) zu den Armen, konnte keine Kastenzugehörigkeit vorweisen und erfuhr mal von Hindus, mal von Muslims Ablehnung. Arme Leute können sich mit ihm identifizieren. Zum dritten hinterliess Saibaba keine Reden, Schriften oder gar Dogmen. Die Verehrung wird einem also nicht allzu schwer gemacht. Und nicht zuletzt scheint die Saibaba-Verehrung von verschiedenen Seiten stark gefördert zu werden. Da ist der Ort Shirdi, da sind mächtige Geldgeber und nicht zuletzt passt der höchst unpolitische Saibaba sehr gut ins Konzept der Rechtsparteien.

Dienstag, 22. Juni 2010

Alkoholkonsum

Bei den meisten Gesellschaften in Indien ist das Trinken von Alkohol verpönt. Deshalb gibt es in Indien auch keine "Alkohol-Kultur". Mein Freund hier in Mumbai, Parvish, hat mich am ersten Tag mit in einen Shop genommen und sich von mir beraten lassen, damit er für die Alkoholika in seinem Kühlschrank und in seiner Bar die korrekten Gläser kaufen konnte. Bier (Kingfisher) und sehr guter Wein sowie verschiedene Sorten von Rum, Wodka usw. und natürlich Liköre werden sogar in Indien hergestellt. Das Trinken ist von Staat zu Staat anders geregelt. Hier im offenen Mumbai gilt, dass Bier erst ab 20 Jahren und stärkerer Alkohol erst ab 25 Jahren getrunken werden darf. Dazu benötigte man de jure eine Lizenz. Ob man die vom Doktor oder auf der Polizei erhält, weiss hier aber niemand... Das Alkoholtrinken findet in den eigenen vier Wänden oder auswärts in einem speziellen Restaurant statt, niemals aber öffentlich. In Shrirampur (Provinz) habe ich vorgestern mit Sunil, einem Primarschullehrer, Bier getrunken. Sein Vater darf das nicht erfahren und seine Ehepartnerin sieht das nicht gern.

Freiwilligenarbeit


Ziemlich spontan hatte ich die Möglichkeit, eine Gruppe von Freiwilligen ("volunteers") zu begleiten. In Shrirampur, einem kleinen Ort ca. 300 km südöstlich von Mumbai (wohin sich wohl noch kaum Nicht-Inder verirrt haben) gibt es eine Destillerie mit rund 1300 MitarbeiterInnen. Das sind Zuckerrohrbauern, Fahrer, Handwerker, Köche, Wachpersonal usw. - eine kleine Welt für sich. Die neue Leitung der Tilaknagar-Companie legt auf Sozial- und Umweltprojekt grossen Wert. Ich glaube, es geht dabei um die Sache und weniger ums Image (wer in Indien Alkohol trinkt achtet nicht aufs Image der Distillerie). Die Projekte sind eine Biogasproduktion aus "Kuhscheisse", Kompostierung, Grundwasserpflege sowie Aufforstung. Die Projekte laufen bestens, nun geht es darum, den Leuten zu vermitteln, weshalb man das eigentlich macht. Hier kommt die Freiwilligengruppe ins Spiel.
An einem Donnerstagabend haben sich 12 junge Frauen und Männer zusammengefunden, alles gut ausgebildete und modern gekleidete Stadtleute aus Mumbai. Nach vielen Verzörungen sind wir dann etwa um 1 Uhr nachts in zwei Vans aufgebrochen und nach 7 Stunden in Shrirampur angekommen. Um 9 startete das Programm. In einem jeweils dreiteiligen Kurs wurde Schulkindern, Eltern, Angestellten und Dorfleuten die Umweltprojekte erklärt. Das wiederholte sich am Nachmittag und noch zweimal am Samstag. In den zwei Tagen wurden etwa 300 Leute erreicht. Die meisten Freiwilligen waren das erste Mal dabei und kannten weder das Dorf noch die Projekte. Sie hatten sich mit einer 60-seitigen Dokumentation auf ihre Einsätze vorbereitet. Die Dokumentation wussten sie auswändig und konnten die Führungen auf Englisch, Hindi oder Marati halten. Für die Leute in Shrirampur galten sie offensichtlich als Experten auf ihrem Gebiet. Die Leitung der Gruppe bestand aus einem quirligen, jungen Professoren und einem Sekretär. Die Einsätze waren begleitet und wurden jeweils am spät am Abend gemeinsam ausgewertet. Für mich eindrücklich die Motivation der Volunteers. Sie erhalten eine gute Spesenentschädigung und hatten sehr viel Spass. Auf einen entsprechenden Aufruf von SPROUTS (das ist die Organisation, die im Auftrag von Tilarnagar-Corporation diese Arbeit macht) hatten sich etwa 40 Freiwillige gemeldet, von denen dann die 12 ausgewählt wurden. In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag fuhr die Gruppe dann wieder eng zusammengepfercht in den zwei Vans die holprigen Strassen wieder zurück ins moderne Mumbai.
Das war der zweite Einsatz von SPROUTS. Der CEO von Distillerie (und deren Mutter!) war so begeistert, dass die Einsätze nun jedes Wochenende wiederholt werden, bis alle 1300 MitarbeiterInnen plus nochmals vielleicht 2000 Angehörige und Nachbarn wissen, weshalb man Wasser spart, Bäume pflanzt und Kuhdung sammelt.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Wie beerdigen Hindus heute ihre Verstorbenen?


Seit zwei Tagen bin ich in Indien. Ich wohne für ein paar Tage bei einem Freund in Andheri, einem Stadtteil der 14-Millionenstadt Mumbai. Gestern hatte ich mich mit zwei Hindus übers Thema Beerdigungen unterhalten. Beide Männer führen ein modernes Leben, einer arbeitet als Lehrer, der andere in der Filmindustrie, beide leben allein. Der Körper eines Verstorbener wird traditionell in seiner Wohnung aufgebahrt, wo sich seine Angehörigen treffen. Dann wird der Körper kremiert, ein paar Tage später wird die Asche in einen Fluss (nach Möglichkeit der Ganges) beigesetzt. Er hier kommt ein Priester zum Einsatz. Dessen Gebet und Rituale sollen dem Verstorbenen die ewige Ruhe verschaffen und verhindern, dass er wieder geboren wird. Im Einzugsgebiet der heiligen Flüsse werden die Körper am Ufer selber verbrannt. Die Überreste werden vom Feuer direkt dem Wasser beigegeben. Infolge Mangels an Brennmaterial werden heute Leichen auch unverbrannt dem Wasser beigegeben. Einer meiner beiden Gesprächspartner ist sehr säkular (trotz brahmanischer Abstammung). Er und seine Geschwister verzichteten auf die Aufbahrung des Vaters. Sein Körper wurde direkt verbrannt und die Asche dann einem Fliessgewässer in Mumbai beigegeben. Die etwa einstündige Zeremonie des Priesters war aber auch für diese Familie selbstverständlich.

Samstag, 29. Mai 2010

vor der Abreise

Heute ist mein zweitletzter Arbeitstag. Morgen werden meine Kinder im Bodensee getauft. Ein besonderes Ereignis! Ich freue mich riesig auf meinen Indienaufenthalt. Ich bin aber froh, habe ich noch ein paar Tage für die Vorbereitungen frei.