Mittwoch, 25. August 2010
zweiter Teil des Indienaufenthaltes
Die Arbeit am Sabbatical-Report konnte ich in der Schweiz weiterführen: Umstellung auf einen leistungsfähigeren Laptop, Sichtung des Materials, schriftliche Fassung und Übersetzungen der Interviews, Konzept des DVD-Reports.
Anfang September fliege ich wieder nach Indien. Von Mumbai aus werde ich Pune (religiöse Festwoche), Goa (Zusammenarbeit des forest departments mit christlichen Kirchen) und vielleicht noch Cochin besuchen.
Im Oktober kommt meine Familie nach: Mumbai, Khajuraho, Taj-Mahal, wild-life, Delhi, Bharatpur, Mumbai
Dienstag, 24. August 2010
Dietrich Bonhoeffer, Karl Barth und Mahatma Gandhi
ein Text von Dr. Cornelia Vogelsanger:
Mickey Mouse träumt vom indischen Bruder - Bonhoeffer und GandhiSie haben einander nie getroffen, Bonhoeffer und Gandhi. Doch Bonhoeffer träumte jahrelang davon, nach Indien zu fahren und Gandhi persönlich zu begegnen. Von Cornelia Vogelsanger
Von seiner Sehnsucht nach anderen Welten schrieb der 26-jährige Bonhoeffer an seinen Schweizer Theologenfreund Erwin Sutz: «[…] dass es mich irrsinnig wieder herauszieht, diesmal nach dem Osten […]. Es muss noch andere Menschen auf der Erde geben, solche, die mehr wissen und können als wir. Und es ist einfach banausenhaft, dann nicht auch dorthin lernen zu gehen.»
Dreimal hat Bonhoeffer eine Reise nach dem Osten, nach Indien, geplant - und hat es zeitlebens bedauert, nie in diesem Lande angekommen zu sein. Das dritte Mal, 1934, stand er bereits im Briefwechsel mit Gandhi. Sein englischer Freund George Bell, der Bischof von Chichester, hatte den Kontakt vermittelt. Bonhoeffer wollte «sechs Monate oder länger» mit Gandhi verbringen und von ihm persönlich gewaltlosen Widerstand lernen, denn die Situation in Deutschland spitzte sich seit 1933 bedrohlich zu. Der Hindu Gandhi (für den Jesus einer der grössten Menschheitslehrer und die Bergpredigt eine Anweisung zum wahren Leben war) lud den jungen evangelischen Theologen in einem freundlichen Brief ein, das Leben im Ashram zu teilen, bei vegetarischer Kost. Wie viel Geld er in Indien benötigen würde, rechnete Gandhi dem Gast aus Deutschland in seiner sorgfältigen, genauen Art aus, und er machte ihn auch aufmerksam, dass er, Gandhi, sich möglicherweise während der Dauer seines Besuchs gar nicht im Ashram beenden könnte, sondern, einmal mehr, im Gefängnis.
Dass es nicht zu dieser Begegnung kam, lag dann aber nicht an der englischen Kolonialregierung, sondern an den dramatischen Entwicklungen in Deutschland. Und es lag mindestens teilweise an deutschen Theologen, die Bonhoeffer absichtlich beschäftigt hielten, um seine Indienreise zu verhindern. Dass Bonhoeffer von einem Hindu Friedensarbeit lernen wollte, löste Kopfschütteln unter manchen seiner Kollegen aus. Auch Karl Barth äusserte sich ablehnend über Bonhoeffers Plan: Er habe die «seltsame Nachricht» erhalten, Bonhoeffer beabsichtige nach Indien zu gehen, «um sich bei Gandhi oder einem anderen dortigen Gottesfreund irgendeine geistige Technik anzueignen». (Bonhoeffer seinerseits hatte sich, bei aller bleibenden Bewunderung für Barth, schon Jahre zuvor nachdenklich gefragt: «Ob Barth je im Ausland war?» Denn es war ihm aufgefallen, dass die Erfahrung einer anderen Kultur sich auch auf die eigene Theologie auswirken konnte.)
Wer hatte dem jungen Dietrich Bonhoeffer diese Indiensehnsucht ins Herz gepflanzt? Es war eine bemerkenswerte alte Dame, die ihm sehr nahe stand: seine Grossmutter Julie Bonhoeffer-Tafel.
Bei ihr wohnte er in seiner Studienzeit in Tübingen und in ihren späten Jahren lebte sie in Bonhoeffers Elternhaus in Berlin. Von ihr ist vor allem eine Begebenheit bekannt: wie sie als Einundneunzigjährige 1933 den Nazi-Boykott jüdischer Geschäfte durchbrach, indem sie aufrecht durch eine Sperre von SA-Männern schritt, um ein jüdisches Warenhaus zu betreten. Weniger bekannt ist ihre Herkunft aus einer Familie mit besonderem spirituellem Hintergrund: Ihr Onkel Immanuel Tafel, der ursprünglich als lutherischer Theologe ausgebildet war, übernahm nie ein Pfarramt in der Kirche, sondern schloss sich der Lehre des schwedischen Visionärs Emanuel Swedenborg (die u.a. die Reinkarnation kennt) an und übersetzte die theologischen Werke Swedenborgs aus dem Lateinischen. Von Tafel selbst, der in Stuttgart einen philosophischen Lehrstuhl innehatte, stammt der Entwurf einer Friedenstheologie mit ökumenischer Ausrichtung, und 1851 publizierte er in Tübingen ein Pamphlet, in dem er evangelische Christen dazu aufrief, Glaubens- und Bekenntnisfreiheit zu fordern («Die Unsicherheit und Verderblichkeit des Bekenntniszwangs: Aufforderung an sämtliche Protestanten, zu protestieren gegen jede menschliche Vorschrift in Glaubenssachen …»). Auch wenn Julie Bonhoeffer-Tafel selber nicht Swedenborg anhing, war sie von einem Milieu geprägt, in dem das Ringen um Wahrheit und freie Erkenntnis viel galt.
Mit Anteilnahme und nicht ohne Besorgnis verfolgte die Grossmutter, welches Tempo und Engagement, aber auch welcher Ehrgeiz ihren begabten Enkel im Theologiestudium antrieb. Mit 21 Jahren war Dietrich bereits promovierter Theologe - für eine Pfarrstelle freilich noch zu jung -, ein Senkrechtstarter, ein Überflieger. Er war in mancher Hinsicht von Haus aus privilegiert, und er wurde von seinen Professoren gefördert. Die Grossmutter war es, die ihm riet, nicht zu früh auf ein Geleise einzuspuren, sondern sich noch nach anderen Erfahrungen und Inspirationen umzusehen, «im Osten». Er hörte auf sie und bemühte sich, Geld für eine Indienreise zu sparen.
Wäre 1930 ein Indien-Stipendium verfügbar gewesen, hätte er es sicher noch lieber akzeptiert als den Studienaufenthalt am Union Theological Seminary in New York, der sich ihm bot. Doch er machte aus jeder Gelegenheit, Neues aufzunehmen, das Beste: Als Vikar in der deutschen Gemeinde von Barcelona, als Stipendiat in Amerika suchte er aktiv den Kontakt mit Milieus und Gedankenwelten, die den Horizont seiner grossbürgerlich-aristokratischen Herkunft erweiterten, ihn unter anderem auch für Fragen des Rassismus und Kolonialismus sensibilisierten - und für die Ökumene. Mit derartigen Perspektiven war Bonhoeffer vielen deutschen Theologen seiner Zeit voraus, auch solchen, die sich eindeutig gegen Hitler wandten. Es war aber wohl gerade dieser weit gespannte Erfahrungshorizont, der Bonhoeffer befähigte, früh zu erkennen und mit aussergewöhnlicher Entschiedenheit als Unrecht zu benennen, was mit den Juden geschah.
Zu jener Zeit (und noch Jahrzehnte darüber hinaus) war es durchaus üblich, von «Negern» und «Heiden» zu reden; auch Bonhoeffer benützte ohne diskriminierende Absicht solche Wörter. «Müssen wir uns von den Heiden beschämen lassen?», fragte er in einer Predigt im August 1934. Mit den «Heiden» meinte er Gandhi, den er bewunderte und von dem er lernen wollte.
Welch ein ungleiches Paar, äusserlich gesehen: der stattliche blonde Germane und der ältliche, gebeugte Inder mit den abstehenden Ohren und dem zahnlosen, unwiderstehlichen Lächeln! Der eine weltoffen und von seiner Herkunft her selbstbewusst, der andere als Angehöriger eines unterdrückten und gedemütigten Volkes mit vielen Unsicherheiten behaftet und zeitlebens schüchtern. Beide nahmen ihre Lebensaufgabe todernst und waren zum äussersten Opfer bereit - es wurde ihnen auch abgefordert. Beide wurden für ihre menschliche Warmherzigkeit und ihren Humor geliebt.
Gandhis Humor war von der indischen Art, freundlich und sanft, manchmal auch hintergründig. Auf die Frage, was er von der westlichen Zivilisation halte, antwortete er einmal trocken: «Die Idee ist gut!» Da spricht ein Angehöriger einer uralten Zivilisation, einer, der besser als die gegenwärtig Herrschenden weiss, was das bedeuten könnte: Zivilisation! Einer auch, der die Zwei auf seinem Rücken mit dem Gefühl innerer Überlegenheit trägt.
Der indische Sinn für Komik ist unbestechlich und macht auch vor den allgegenwärtigen Göttern nicht Halt; oft sind das fromme Andachtsbild und die Karikatur nicht zu unterscheiden. In dieser Kultur wohnen das Skurrile und das Heilige, das Erhabene und das Lächerliche, auch das Hässliche und das Schöne, das Schmutzige und das Reine sehr nahe beieinander. Damit hängt es vielleicht zusammen, dass man in Indien die Lächerlichkeit weniger zu fürchten scheint als anderswo. Auch einfache Menschen strahlen oft eine unangreifbare Würde aus, die sich nicht aus einem Status herleitet, nicht aus Besitz, nicht aus der äusseren Gestalt, sondern aus dem Menschsein an sich.
So sind auch seit bald hundert Jahren Karikaturen ausserordentlich beliebt, die Gandhi in seiner ganzen Unscheinbarkeit und Schrulligkeit vergegenwärtigen. Sie werden als Ausdruck der Liebe und Hochachtung verstanden (sogar im Internet habe ich über 100 Gandhi-Cartoons gefunden).
Eine Mitkämpferin Gandhis, die Schriftstellerin Sarojini Naidu, nannte ihn einmal «diesen Mickeymousemann», seiner abstehenden Ohren wegen. Das Bonmot machte die Runde, und zu Gandhis 70. Geburtstag veröffentlichte ein Karikaturist in der «Civil and Military Gazette» in Lahore einen Cartoon: Mickey, das amerikanische Original, stellt sich seinem indischen Doppelgänger vor; Gandhi als Double erscheint in einer Wolke oder Imaginationsblase, mit riesigen schwarzen Mausohren ausgestattet. Von seiner Wolke herab lächelt der Mahatma und legt den Finger auf die Lippen. Mickeymouse schaut entgeistert auf diesen mysteriösen Verwandten.
Auch diese beiden: welch ein ungleiches, ja absurdes Paar! Natürlich ist mit Mickey nicht Bonhoeffer gemeint - aber passt der Cartoon nicht eigenartig gut zu den beiden Geistesverwandten, die von einander wussten, obwohl sie sich in der Realität nie trafen?
Gandhi-Mickeymouse legt die Finger auf die Lippen und verweist damit auf das Schweigen. Einen Tag pro Woche (Montag?) hat Gandhi konsequent geschwiegen, selbst in grossen Staatskrisen blieben dann seine Lippen versiegelt; er tat seine Arbeit, sass am Spinnrad und am Schreibpult, hörte zu und schrieb Zettel. Dieses regelmässige Redefasten brauchte er, um für seine Aufgabe Kraft zu schöpfen. «Wenn man sich der Suche nach Wahrheit verschrieben hat», sagte er einmal, «muss ein Teil der spirituellen Disziplin aus Schweigen bestehen.» Und ein anderes Mal: «Das Radio Gottes sendet immer, aber wir können seine Stimme nur im Schweigen hören.»
Hier fallen grosse Worte: «Wahrheit» und «Gott». Für Gandhi waren sie bedeutungsgleich. Er nannte seinen gewaltfreien Kampf «Satyagraha» - ein Begriff, den er aus zwei Sanskritwörtern selber geprägt hatte und der sich als «Beharren auf der Wahrheit» übersetzen lässt. Beharrlich, aussergewöhnlich beharrlich bis zur Halsstarrigkeit war Gandhi von seiner Art her gewiss. Aber niemals glaubte er, im Besitz der Wahrheit zu sein, und so blieb er von Fanatismus frei. «Satyagraha» hiess für ihn vielmehr: die Suche nach der Wahrheit unter keinen Umständen aufzugeben. Seiner Autobiografie, in der er freimütig über seine Fehler und Irrtümer Rechenschaft ablegt, gab er den ungewöhnlichen Titel «Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit».
Wahrheit ist unverfügbar, allenfalls experimentell erfahrbar. Wahrheit ist göttlich. In der indischen Tradition findet sich der unerschütterliche Glaube, dass das Aussprechen der Wahrheit etwas bewirkt. (Mantras wirken, weil sie eine höhere Wahrheit enthalten. Die Veden gelten als in einem umfassenden Sinne wahr - weshalb sie nicht in die Hände von Unbefugten gehören.) Alle anderen Wirkungen haben ein Verfalldatum. Die Wahrheit bleibt. Gandhi lebte in dieser Gewissheit und starb in ihr.
Bei Diskussionen über Gandhi - oder gegenwärtig über Bonhoeffer - wird regelmässig dieselbe Frage aufgeworfen: «War er ein Heiliger?» Und ebenso regelmässig stehen kritische Zeitgenossen auf, die sich vehement dagegen wehren, dass man aus Gandhi, aus Bonhoeffer «Heilige mache». Sie waren gewiss Menschen mit ihren Widersprüchen, sie hatten und machten Fehler. Vollkommen waren sie keineswegs. Gandhi selbst hat sich gegen den Ehrentitel «Mahatma» (Grosse Seele) gewehrt, der ihm von Tagore angehängt wurde und den bei uns viele für seinen Vornamen halten. «Mahatma» evoziert tatsächlich Heiligkeit, Göttlichkeit. (In Indien reden die meisten Menschen von Gandhiji, was eine Mischung aus Zuneigung und Respekt zum Ausdruck bringt, oder von Bapu, «Vater».)
Aber was ist Heiligkeit? Ist Heiligkeit erhabene Perfektion? Oder verträgt sich Heiligkeit auch mit Mickey Mouse? Ich halte mich an eine Definition des Religionswissenschaftlers und evangelischen Erzbischofs Nathan Söderblom (er starb vor 75 Jahren - auch an ihn sollte man sich wieder einmal erinnern): «Heilige sind Menschen, durch die es den anderen leichter wird, an Gott zu glauben.»
Artikel aus: RL, Zeitschrift für Religionsunterricht und Lebenskunde, Nr. 1/06, TVZ
Zur Autorin: Dr. Cornelia Vogelsanger ist Ethnologin und Programmleiterin des Kulturhauses Helferei in Zürich
Kontakt: zelter@gmx.net; Tel. 044 261 53 11
link: http://www.bonhoeffer.ch/folder.2005-12-06.5656171031/mickey-mouse-traeumt-vom-indischen-bruder-bonhoeffer-und-gandhi
die Ismaeliten - eine besondere Muslimgruppe
Innerhalb des Islams bilden die Schiiten eine Minderheit. Im Unterschied zu den Sunniten kennen sie eine Nachfolge des Profeten Mohammed. Als erster "Imam" gilt Ali, der Schwiegersohn von Mohammed. Innerhalb der Schiiten gibt es wiederum eine Minderheit: die Ismaeliten. Historisch gehören zu dieser Gruppe u.a. die Drusen, Alewiten, Assassinen und Fatimiden. Ich habe in Mumbai die Aga-Khan-Gruppe kennen gelernt.
"Aga Khan" ist ein Titel, der Anfang 19. Jhd. vom Schah von Persien verliehen und von den Briten später bestätigt worden ist. Der dritte Aga-Khan vertrat Indien im Völkerbund. Der aktuelle, vierte Aga-Khan ist His Holiness Prince Karim Aga Kahn IV. Er wurde in der Schweiz geboren und lebt heute bei Paris. Seit dem Tod seines Vaters gilt er als 49. Imam, als direkter Nachkomme des Profeten. In seiner Jugend war Karim sehr sportlich und fuhr sogar an einer Ski-WM mit. Er studierte in Harvard. Er gehört zu den reichsten Personen weltweit. Er besitzt Hotels, Verlage, Edelsteinbergwerke usw. und ist wesentlicher Aktionär von Fiat und Lufthansa.
Seinen Besitz versteht er als Eigentum der Ismaeliten. Ich habe gelesen, dass sein "Aga Khan Development Network" weltweit das grösste private Hilfswerk sei. Im Fokus stehen Gesundheit, Bildung, Kultur und wirtschaftliche Entwicklung in Süd- und Zentralasien sowie in Ostafrika.
Die Ismaeliten stellen innerhalb des Islams einen sehr liberaler Flügel dar - vergleichbar mit den Schweizer Reformierten innerhalb des Christentums. Die Ismaeliten bekennen sich zur Religionstoleranz und üben eine "integrierte Sprache" ein. Sie formulieren ihre Glaubenssätze ohne Überheblichkeit gegenüber Andersgläubigen. Daran sollte sich auch unsere Theologie ein Beispiel nehmen!
Die Ismaeliten in Mumbai haben keine eigene Moschee. Sie nehmen zusammen mit anderen Muslimen am Freitagsgebet in einer der grossen Moscheen teil. Als eigenständige Gemeinschaftschaft betreiben sie ein grosses Zentrum für Jugendarbeit, Bildung, Weiterbildung und Sozialarbeit.
Das geistige Oberhaupt wurde mehrfach ausgezeichnet. HH Prince Aga-Khan wird in einem bekannten Song von Peter Sarstedt (Whrere do you go to my lovely?) in einer Liste von Promis aufgezählt.
Dienstag, 3. August 2010
Jainismus
Eine wichtige indische Religionsgemeinschaft ist im Westen kaum bekannt: die Jains. Ebenso wie der Buddhismus kann der Jainismus als eigenständige Religion bezeichnet werden, die wie der Buddhismus aus dem Hinduismus (Brahmismus) entwachsen ist. Die Bedeutung der Religionsgemeinschaft ist grösser, als es ihre numerische Grösse (4 Mio) ahnen lässt. Viele ganz reiche und einflussreiche Familien Indien sind Jains. Die Ethik der Jains ist sehr bekannt. Jains verpflichten sich, (1.) von Reichtum nicht zu sehr anghängig zu sein, (2.) absolute Gewaltlosigkeit auch gegenüber Tieren und (3.) Wahrhaftigkeit. Der zweite Punkt führt zu den Speiseverboten, die selbst in Indien zu Kopfschütteln und Spott führen. Jains verzichten nicht nur auf Fleisch, Fisch, Eier, Alkohol und Taback (wie Brahmanen, Parsen u.a. auch), sondern darüber hinaus auch auf Kaffee, Tee, starke Gewürze, Zwiebeln, Knoblauch und allen Gemüsen, die unter der Erde wachsen wie z.B. Kartoffeln. Viele Berufe sind den Jains verwehrt, so z.B. das Bauern, weil dabei Tiere getötet werden könnten. Manche Jains tragen ein Tüchlein vor Mund und Nase, damit ja nicht ein Mücklein verschluckt und getötet wird. Manche Jain-Mönche gehen sogar so weit, dass sie durchsichtig gekleidet, d.h. nackt sind.
Der Jainismus geht zurück auf Mahavir, der etwa zur Zeit von Buddha, also im 5. Jhd. v. Chr. lebte. Die Jains lehnen (im Prinzip) das Kastensystem ab und legen grossen Wert auf Reinheit. Die Tempel werden ständig blitz-blank geputzt, die lebendige Unordnung der Hindus ist ihnen fremd. Es gibt keine Götterfiguren, dafür die stereotypische Darstellung von Mahavir. Grosser Wert wird auf die innere Reinheit der eigenen Persönlichkeit gelegt.
Der mögliche Nachfolger von Josef Ackermann (Deutsche Bank) heisst Anush Jain...
Minderheiten
Das Quotensystem wird von der Mittelschicht heftig kritisiert, wird von Politikern aber weiterhin ausgebaut. Sie sichern sich damit Stimmen aus den entsprechenden Gruppen. Das Quotensystem gilt für alles, was mit der öffentlichen Hand zusammen hängt: Schulen, Colleges, Universitäten, Verwaltung, Eisenbahn (die grösste Arbeitgeberin der Welt) usw - nicht aber das Militär. Das Quotensystem reserviert Plätze für Mitglieder der entsprechenden Minderheit. Weil aber der Bildungsgrad in vielen Minderheiten sehr viel tiefer als der Bevölkerungsdurchschnitt liegt, unterscheiden sich die Anforderungen. Während ein Collegeanwärter aus der städtischen Mittelschicht einen Durchschnitt von 95% (entspricht bei uns vielleicht dem Notenschnitt von 5.5) haben muss, reichen für einen "Quotenschüler" 60% (was klar ungenügend ist). Das Gleiche gilt für die Besetzung der Staatsstellen, inklusive Lehrkräfte. Das führt dazu, dass in Colleges zweierlei Lehrkräfte zusammenarbeiten: hoch qualifizierte und solche, die nicht einmal korrekt Englisch sprechen. Das Qualifikationssystem wird durch die Quotenregelung unterlaufen. Manche Schlamperei der Behörden mag durch "Quoten-Mitarbeiter" verursacht sein. Behördliche Schlamperei ist oft die Ursache von Leerläufen, Verschwendung, Fehlplanungen und regelmässig Unfällen mit Todesfolgen.
Langfristig führt die Quotenregelung zu einer Schwächung der öffentlich-rechtlichen Institutionen. Der privatwirtschaftliche Sektor (Schulen, Transportwesen, Spitäler, Sicherheit usw.) muss sich nicht um die Quoten kümmern und wird gestärkt, womit sich das linkspolitische Postulat der Minderheitenförderung selber die Quelle austrocknet, aus der sie schöpfen und verteilen will.
Der Australier Peter Singer legt in seiner Ethik dar, dass eine Minderheitenförderung durch Quoten nur dann berechtigt ist und zum Erfolg führt, wenn sie befristet ist. Die Lösung wären Gesetze mit Verfalldatum.